Göttingen, Kamerun und antikolonialer Widerstand ( Teil 1 – Die Einleitung)

Bis zum 29. Mai 2024 konnte man in Göttingen die Ausstellung „Zwischen Petition und Widerstand“ der Initiative Perspektivwechsel e.V. im Stadtlabor besuchen. In der Ausstellung wurden drei antikoloniale Widerstandskämpfe in Kamerun vorgestellt. Sie stehen für die in Deutschland noch wenig sichtbare Widerstandsgeschichte, die unzertrennlich mit der Geschichte der Kolonialismus verbunden ist. Ziel der Ausstellung ist es mit dem vorherrschenden Narrativen über die Kolonialzeit brechen, in denen die Darstellungen von Widerstand unterrepräsentiert sind und die Perspektive der Kolonisatoren im Zentrum steht. Die Ausstellung ist ein Versuch, die Kolonisierten als „politische Subjekte sichtbar“ zu machen und Formen des „kreativen Widerstands gegen Kolonialpolitiken“ in den Vordergrund zu rücken.[i]

Anlässlich dieser Ausstellung haben wir uns gefragt, welche Verbindungen zwischen Göttingen und Kamerun bestehen und recherchiert, welche kolonialen Spuren sich in der Stadt Göttingen finden lassen.

Es hat sich gezeigt, dass es einige Göttinger Persönlichkeiten gab, die an der Kolonialisierung Kameruns mitgewirkt haben. Indem wir den Fokus auf diese lenken, rücken wir jedoch wieder Täter*innen in den Vordergrund. Dies stellt einen Widerspruch zum Anspruch dar, den Widerstand sichtbar zu machen und den Blick von den Tätern wegzulenken.
Doch eine Auseinandersetzung mit Spuren der Kolonialgeschichte in Göttingen ist eine Auseinandersetzung mit den Tätern. Wir wollen allerdings den Anstoß der Ausstellung aufnehmen und auf widerständige Momente der Lokalbevölkerung im kolonialen Kamerun verweisen.

Die kolonialen Verbindungen von Göttingen und Kamerun sind vielfältig und finden sich in den verschiedensten Kontexten. Koloniale und postkoloniale Strukturen durchdringen bis heute alle gesellschaftlichen Bereiche von der Ökonomie, über das Recht bis in die Politik und Kultur. Im Folgenden fokussieren wir uns allerdings vor allem auf die Universität, da diese für Göttingens koloniale Verbindungen mit Kamerun von besonderer Bedeutung war.[ii] In einem ersten Teil setzen wir uns diese Woche mit der Botanik und der Medizin auseinander. Nächste Woche folgen die Humananthropologie, Astronomie und Rechtswissenschaft.


Quellen:

[i] Vgl. Initiative Perspektivwechsel e.V.: Vorwort, in: WIDERSTAND. Drei Generationen antikolonialer Protest.

[ii] Vgl. Rebekka Habermas: Universität und Kolonialismus – Das Beispiel Göttingen, in: https://goettingenkolonial.uni-goettingen.de/index.php


ZU DEN AUTOR*INNEN : Diese Artikelreihe wurde von einer Gruppe aus Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitern geschrieben. Die Gruppe bestand aus weißen Cis-weiblichen und Cis-männlichen Autor*innen.

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